Sind Frauen die besseren Anleger?

Warum Frauen nicht einparken und Männer nicht zuhören können – So oder so ähnlich lauteten Titel von Büchern, Artikeln oder Kabarettprogrammen, in denen es um den „kleinen Unterschied mit den großen Folgen“ (Alice Schwarzer) geht, um Unterschiede zwischen Frau und Mann. Ein weitreichender Unterschied zwischen den Geschlechtern besteht in ihrem Umgang mit Geld. So wird regelmäßig in Studien herausgefunden, dass Frauen weniger risikofreudig sind, sich weniger mit Geld beschäftigen und (sic!) daher auch finanzielle Nachteile erleiden, wie die FAZ kürzlich schrieb. Die Autorin stellt zu Recht fest, dass Anlegerinnen in der Niedrigzinsphase Renditen entgehen, wenn sie weniger Aktieninvestments trauen und zudem ihre Geldanlage weniger langfristig angehen.

Die Schwierigkeit an dieser Debatte ist, dass jeder aus seiner Alltagserfahrung etwas dazu beitragen kann, dass aber zugleich viele Fallen drohen, auf Klischees und Stereotype hereinzufallen: Frauen würden eben lieber shoppen als sich mit Geld beschäftigen. Männer seien schon anthropologisch als Jäger eher auf Risiko geeicht usw. Klarer sieht man in der Diskussion um die Geschlechterunterschiede, wenn man versucht, den Unterschieden auf den Grund zu gehen.

Da sind zum einen strukturelle Gründe. Das sind Gründe, die in der Verfasstheit unserer Gesellschaft liegen: Frauen verdienen in Deutschland weniger Geld als Männer, man denke nur an die Diskussion um den Gender Pay Gap. Sie sind diejenigen, die hauptsächlich die Familienarbeit übernehmen und daher weniger in Vollzeit erwerbstätig sind, was steuerlich durch das Ehegattensplitting gestützt wird. Frauen sind häufiger in schlechter bezahlten Berufen tätig; sie bekleiden seltener Führungspositionen. Und Frauen haben seltener in verantwortlicher Position mit Finanzen zu tun. Insofern ergibt sich strukturell eine größere Entfernung von Frauen zu Vermögen und Geldanlagen.

Gesellschaftliche Ursachen verstärken diese Tendenz: Die juristische Abschaffung der Hausfrauenehe mit der Familienrechtsreform von 1977 ist gerade mal 40 Jahre her. Auch wenn das Rollenverständnis vom männlichen Familienoberhaupt und der „Nur“-Hausfrau schon seit den späten 1960er Jahre erodierte, so war das „große“ Geld immer noch Männersache. Obwohl Frauen zunehmend erwerbstätig waren und eigenes Geld verdienten, war ihre Zuständigkeit nach wie vor das Geld für die alltäglichen Bedürfnisse, das Haushaltsgeld. Auch waren Frauen diejenigen, die den Mangel verwalteten und dafür Sorge trugen, dass immer etwas zu Essen auf den Tisch kam, auch wenn das Familieneinkommen knapp war. Das Geld, das über das Haushaltsgeld hinaus noch für größere Anschaffungen, für Rücklagen oder Vermögensbildung übrig war, lag nach dem bürgerlichen Rollenverständnis in der Zuständigkeit des Mannes. Auch wenn Frauen und Männer heute ihre Rollen und Zuständigkeiten jenseits der überkommenden Normen neu aushandeln – man denke nur an die Elternzeit, die zunehmend von Vätern genutzt wird -, so dauert es eben manchmal noch Generationen, bis sich auch das Rollenverständnis in finanziellen Belangen weiter verändert, und zum Wohle der Frauen auch verändern muss, damit sie keine Nachteile erleiden.

Ja, es gibt einen unterschiedlichen Umgang mit Geld bei Frauen und Männern. Wenn man die finanziellen Benachteiligungen von Frauen bekämpfen will, kommt man aber mit Klischees nicht weiter. Vielmehr müssen Frauen in ihrer Unterschiedlichkeit ernst genommen werden und spezifische Angebote erhalten. Weibliche Anlegerinnen sind ja längst eine Zielgruppe für Beratungs- und Vermögensverwaltungsfirmen, die speziell auf ihre Informations- und Sicherheitsbedürfnisse eingehen. Ein überlegtes Handeln bei niedriger Rendite ist auf die lange Sicht für die viele Frauen eben wichtiger als ein höherer finanzieller Gewinn.

Veröffentlicht beim Presseportal openPRl

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